Wenn das Gas knapp wird – und warum das kein Zufall ist!

Frank-Christian Hansel

Viele Menschen spüren derzeit, dass „etwas nicht stimmt“: Die Energiepreise bleiben hoch, es wird zum Sparen aufgerufen, und zugleich heißt es offiziell immer noch, die Versorgung sei gesichert. Doch ein Blick auf die Realität zeigt: Deutschland steuert auf eine politisch in Kauf genommene ernste Gasknappheit zu – nicht plötzlich, nicht überraschend, sondern als Ergebnis politischer Fehlentscheidungen im Kontext der Energiewende der vergangenen Jahre.

Gas ist das Rückgrat unseres Energiesystems

Erdgas ist in Deutschland weit mehr als nur ein Heizstoff. Es erfüllt drei zentrale Funktionen gleichzeitig:

  1. Wärme für Millionen Haushalte

  2. Rohstoff für große Teile der Industrie (Chemie, Düngemittel, Glas, Stahl)

  3. Stromreserve, wenn Wind und Sonne nicht liefern

Genau diese Dreifachrolle macht Gas so kritisch. Wenn Gas knapp wird, betrifft das nicht nur einzelne Verbraucher, sondern das gesamte Energiesystem.

Die Speicher sind fast leer – und das ist gefährlich

Gasspeicher sind vergleichbar mit Vorratskammern. Sie sollen Zeiten mit hohem Verbrauch oder gestörtem Nachschub überbrücken. Doch diese Vorräte sind inzwischen auf ein historisch niedriges Niveau gefallen. In einigen Regionen – besonders in Ostdeutschland – sind die Speicher bereits so weit geleert, dass ihre technische Funktionsfähigkeit selbst zum Risiko wird.

Dabei geht es nicht nur um die Menge. Je leerer ein Speicher wird, desto geringer ist der Druck, mit dem Gas entnommen werden kann. Irgendwann hilft es nichts mehr, dass „theoretisch noch Gas da ist“ – praktisch kommt es dann nicht mehr zuverlässig im Netz an.

LNG ersetzt keine Vorsorge

Politisch wird gern darauf verwiesen, dass Deutschland inzwischen Flüssiggas (LNG) importieren kann. Das klingt nach Sicherheit, ist aber trügerisch. LNG ist kein Vorrat, sondern laufender Nachschub. Es kommt nur, wenn Schiffe verfügbar sind, Häfen anlaufen können, Preise stimmen und keine Wetter- oder Eisprobleme den Transport behindern.

Genau das aber sehen wir aktuell: LNG-Lieferungen stocken, Terminals laufen unter ihren Möglichkeiten, einzelne Anlandungen scheitern schlicht an Eis und Infrastrukturgrenzen. LNG kann helfen – aber es ersetzt keine gefüllten Speicher.

Die Energiewende hat das System verwundbar gemacht

Das Grundproblem liegt tiefer. Deutschland hat im Rahmen der Energiewende funktionierende, steuerbare Energiequellen systematisch zurückgefahren: Die Kernkraft wurde unverantwortlicherweise vollständig abgeschaltet, Kohlekraft - bei Sprengung modernster Anlagen - stark reduziert, gleichzeitig wurde massiv auf nicht grundlastfähige Wind und Sonne gesetzt. Wind und Solar können zwar ergänzend beitragen, aber sie liefern nicht zuverlässig. Wenn es kalt, windstill und wolkenverhangen ist (Stichwort: “Dunkelflaute”), fällt ihre Leistung drastisch ab. Genau dann muss Gas einspringen, vor allem für die Stromerzeugung. So ist ein paradoxer Zustand entstanden:

Je weiter die Energiewende voranschreitet, desto stärker wird die Abhängigkeit von Gas – genau jenem Energieträger, der jetzt knapp wird.

Strom und Gas hängen untrennbar zusammen

Wenn Gas fehlt, fehlt nicht nur Wärme. Dann fehlt auch Strom. Gaskraftwerke sind die einzigen großen Kraftwerke, die schnell regelbar sind und bei Dunkelflaute einspringen können. Fallen sie aus oder müssen gedrosselt werden, wird das Stromsystem instabil.

Stromimporte helfen nur begrenzt. Die Leitungen haben Kapazitätsgrenzen, und auch die Nachbarländer haben im Winter einen hohen Eigenbedarf. Ein unbegrenztes „Zukaufen“ von Strom ist physikalisch unmöglich.

Sobald die Gasknappheit nicht mehr nur rechnerisch, sondern physisch wirksam wird, tritt das Energiesystem in eine neue Phase ein. Entscheidend ist dabei: Eine Gasmangellage äußert sich nicht plötzlich als Totalausfall, sondern als gestaffelter Prozess, der sich über Tage und Wochen verschärft.

Stufe 1: Der Markt reagiert – bevor der Staat handelt

Die erste Phase einer manifesten Knappheit ist rein marktwirtschaftlich. Noch bevor formale Notfallmechanismen greifen, steigen Preise stark an. Gas wird knapper, kurzfristige Beschaffung teurer, Strompreise ziehen nach, weil Gaskraftwerke die Preisspitzen setzen.

In dieser Phase werden Spotmarktpreise volatil, verlieren Preisgarantien faktisch ihre Schutzwirkung, reagieren Unternehmen mit ersten Produktionsdrosselungen aus Kostengründen, steigen auch Strompreise deutlich, selbst bei moderatem Wind- oder PV-Angebot.

Die Versorgung läuft formal weiter, aber zu deutlich höheren Kosten. Knappheit wird spürbar, ohne offiziell benannt zu sein.

Stufe 2: Informelle Rationierung und „stille Abschaltungen“

Hält die Knappheit an, beginnt die informelle Steuerung. Noch bevor eine offizielle Gasmangellage ausgerufen wird, werden hinter den Kulissen Absprachen getroffen:

Großverbraucher reduzieren ihren Gasbezug „freiwillig“, energieintensive Betriebe fahren Anlagen herunter, Gaskraftwerke werden weniger eingesetzt oder ganz aus dem Markt genommen.

Diese Phase ist besonders problematisch, weil sie intransparent ist. Die Last wird ungleich verteilt, Planungssicherheit fehlt, und Unternehmen wissen nicht, ob und wann sie wieder voll produzieren können.

Gleichzeitig nimmt das Risiko ungeplanter Effekte wie schwankender Gasdruck, instabile Strompreise und steigende Netzeingriffe zu.

Stufe 3: Formelle Gasmangellage – Priorisierung

Erst wenn diese Maßnahmen nicht mehr ausreichen, wird eine formelle Gasmangellage festgestellt. Ab diesem Moment gilt nicht mehr der Markt, sondern eine administrative Prioritätenliste.

Typischerweise bedeutet das Industrie und große Gewerbebetriebe werden rationiert oder abgeschaltet, Gasverstromung wird massiv reduziert, öffentliche Einrichtungen schränken Betrieb und Heizleistung ein.

Privathaushalte gelten zwar rechtlich als „geschützte Verbraucher“, doch dieser Schutz ist nicht absolut. Er gilt nur, solange der Gasdruck im Netz stabil bleibt.

Stufe 4: Technische Kaskadeneffekte – auch Haushalte betroffen

Sinkt der Gasdruck weiter, greifen technische Schutzmechanismen. Heizungen schalten sich automatisch ab, Sicherheitsventile lösen aus. Das geschieht nicht durch politische Entscheidung, sondern durch Geräteschutz.

Die Folgen:

  • Wohnungen bleiben kalt, obwohl formal keine Abschaltung angeordnet wurde,

  • Heizungen müssen manuell durch Fachpersonal wieder in Betrieb genommen werden,

  • in Mehrfamilienhäusern kann das Tage dauern,

  • in Städten mit hoher Mieterquote entstehen reale Versorgungsprobleme.

Parallel verschärft sich die Stromlage: Gaskraftwerke stehen nicht mehr als flexible Reserve zur Verfügung, Stromimporte stoßen an physikalische Grenzen und regionale Netzinstabilitäten und Brownouts werden möglich.

Stufe 5: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgewirkungen

Je länger diese Situation anhält, desto größer werden die sekundären Schäden: Produktionsketten reißen, Kurzarbeit und Stillstände häufen sich, kommunale Infrastruktur wird eingeschränkt, Vertrauen in staatliche Steuerungsfähigkeit sinkt.

Entscheidend ist:
Diese Effekte sind nicht kurzfristig reversibel. Ein einmal abgeschalteter industrieller Prozess lässt sich nicht beliebig oft an- und herunterfahren. Schäden wirken über Monate und Jahre nach.

Eine manifeste Gasknappheit ist also kein einzelnes Ereignis, sondern eine Eskalationskette. Wer glaubt, man könne sie auf „Industrieabschaltungen“ begrenzen und den Rest der Gesellschaft verschonen, verkennt die physische Realität vernetzter Energiesysteme. Je später offen über diese Stufen gesprochen wird, desto größer ist das Risiko ungeordneter, ungerechter und technisch chaotischer Zustände.

Keine Naturkatastrophe, sondern Politikversagen

Die aktuelle Gasproblematik ist kein Schicksal, kein Zufall und kein plötzliches Unglück. Sie ist das Ergebnis einer ideologisch überzogenen Energiewende, die Versorgungssicherheit unterschätzt, Speicher und Reserven entwertet und statt Vorsorge auf Hoffnung gesetzt hat.

Jetzt geht es darum, diese Realität anzuerkennen: Wenn Knappheit unvermeidbar wird, muss sie offen benannt, planbar organisiert und fair verteilt werden. Alles andere macht die Lage nur schlimmer.

Die Wähler sollten wissen und am Wahltag auch erinnern, dass der Zustand, dass es überhaupt zu einer selbstverschuldeten Knappheitskrise kommt, durch politische Fehlentscheidungen im Zusammenhang mit der Fixierung auf die “Energiewende” verursacht ist, die mit ihrer dogmatisch einseitigen Fixierung auf Wind und Sonne die Ursache dafür liefert, dass preiswerte Energieversorgungssicherheit nicht gewährleistet werden kann. Bisher ist die AfD die einzige Partei in Deutschland, die das Ende der Energiewende fordert, was in den USA bereits umgesetzt wird.