Der blinde Fleck der Identitätspolitik: Wie der Volksbad-Streit die Widersprüche der Funktionärs-Identitätspolitik offenlegt – und warum Claudia Roth irrt
Frank-Christian Hansel —
Der Streit um das „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne ist längst mehr als eine Auseinandersetzung über sechs Stunden Schwimmbadnutzung. Er berührt eine Grundfrage liberaler Gesellschaften: Überwindet man rassistische Kategorien, indem man ihnen gesellschaftlich möglichst wenig Bedeutung gibt – oder indem man sie politisch erneut zum Organisationsprinzip erhebt? Genau dieser Konflikt ist durch die jüngste Intervention Claudia Roths sichtbar geworden. Nach der Absage des für den 14. August vorgesehenen Angebots für schwarze Kinder und Jugendliche warf die frühere Kulturstaatsministerin der Berliner CDU vor, sich einen „rechten Kulturkampf“ zu eigen zu machen. Wer sich im Wahlkampf nicht ausreichend von „rechter Hetze“ distanziere, werde zum „Steigbügelhalter für die Kräfte, die unsere Ges…

