Und wieder geht es um Ulrich Siegmund: Vom Gatekeeper zum Rohstofflieferanten - oder: Wie der Medienkampf seine eigene Gegenöffentlichkeit erzeugt
Frank-Christian Hansel —
In meinem Beitrag „Die AfD und ihre unfreiwilligen Wahlkampfhelfer. Zur medialen Aufmerksamkeitsökonomie“ habe ich beschrieben, wie sich das Verhältnis von Presse und Partei umgekehrt hat. Die Medien setzen weiterhin den Reiz – Skandal, Titelbild, Warnung, moralische Zuspitzung –, aber sie verfügen längst nicht mehr darüber, was anschließend mit diesem Reiz geschieht. Der Angegriffene übernimmt ihn, deutet ihn um und verwertet ihn über eigene Kanäle. Aus dem Objekt der Darstellung wird ein Produzent. Der Beitrag von Annika Leister bei t-online über Ulrich Siegmund und dessen Verhältnis zur Presse führt genau diesen Vorgang vor – gründlicher, als es dem Text lieb sein dürfte.Jahrzehntelang war die Ordnung der politischen Öffentlichkeit übersichtlich. Ein Politiker sagte etwas, ein Redakteur…

