Die doppelte Stromrechnung: Zur absurden Logik der deutschen Energiewende
Die deutsche Energiewende ist an einem Punkt angekommen, an dem ihre innere Absurdität nicht mehr versteckt werden kann. Man muss kein Ingenieur sein um zu verstehen, dass ein Stromsystem nicht daran gemessen wird, wie viel Strom es irgendwann erzeugt, sondern ob es genau dann Strom liefert, wenn er gebraucht wird. Strom ist keine beliebige Ware, die man stapeln, parken und später aus dem Regal nehmen kann. Strom muss im Moment seiner Erzeugung verbraucht, gespeichert, transportiert oder abgeregelt werden. Gelingt das nicht, wird aus Energie kein Wohlstand, sondern ein Entsorgungsproblem.
Genau das zeigte der 1. Mai 2026. In Mitteleuropa gab es einen Solarrekord, aber er geriet zur bösen Falle und war ein Warnsignal. Der Börsenpreis für Strom fiel am Vortagesmarkt (Day-Ahead-Markt) auf minus 499,99 Euro pro Megawattstunde, also auf die erlaubte Untergrenze. Das bedeutet aber nun nicht, dass der Bürger plötzlich kostenlosen Strom bekam, sondern dass das System zu viel Strom zur falschen Zeit hatte (“Hellbrise”):
Wer Strom abnahm, konnte dafür rechnerisch bezahlt werden, während die eigentlichen Systemkosten an anderer Stelle hängenblieben – bei Netzentgelten, Umlagen, Steuerzahlern und Stromkunden. Die Welt berichtete entsprechend von einer Flut wertlosen Solarstroms, die den Preis auf das Minimum drückte.
Hierbei handelt es sich um den ersten großen Denkfehler der Energiewende-Propaganda. Ein Solarrekord wird als Erfolg verkauft, obwohl er unter den gegebenen Bedingungen gerade das Gegenteil beweist: Nicht jede erzeugte Kilowattstunde ist an sich nützlich. Strom, der nicht gebraucht wird, nicht gespeichert werden kann und das Netz belastet, ist kein Geschenk der Natur, sondern eine echte Belastung für das System. Die polemische Formulierung vom „Müllstrom“ trifft diesen Punkt: Es handelt sich um (Solar)Strom zur falschen Zeit, der in zu großer Menge und ohne ausreichende Verwendungsmöglichkeit und zum ökonomischen Problem wird.
Damit wird auch die Mär vom billigen Ökostrom entlarvt. Ja, eine einzelne Kilowattstunde Solarstrom kann in der Erzeugung billig sein. Aber ein Industrieland bezahlt nicht einzelne Schönwetter-Kilowattstunden, sondern ein ganzes Stromsystem. Dieses System braucht Netze, Speicher, Regelenergie, Reservekraftwerke, Redispatch, Entschädigungen bei Abregelung, digitale Steuerung, Kapazitätsmechanismen und technische Stabilität. Wer nur auf die Erzeugungskosten einzelner Windräder oder Solaranlagen blickt, verschweigt die Kosten der Systemintegration, die wachsen und wachsen:
Die Bundesnetzagentur meldete für 2025 insgesamt 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen; 2024 waren es 457 Stunden. Gleichzeitig stieg die Photovoltaik-Einspeisung in das Netz der allgemeinen Versorgung von 63,2 Terawattstunden im Jahr 2024 auf 74,1 Terawattstunden im Jahr 2025. Das ist die schlichte Datenlage: Mehr Solarstrom führt eben nicht automatisch zu einem stabileren oder billigeren System, sondern bei fehlender Flexibilität immer häufiger zu Situationen, in denen Strom am Markt keinen Wert mehr hat oder sogar zur Kostenfalle wird.
Doch der Überschuss ist nur die eine Seite des Problems. Die andere Seite ist noch gefährlicher: Wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht („Dunkelflaute“), hilft die schönste installierte Leistung nichts, der zweite große Denkfehler der Energiewende:
Sie verwechselt installierte Leistung mit gesicherter Leistung. Auf dem Papier können Hunderte Gigawatt Wind- und Solarleistung stehen. Aber ein Solarmodul produziert nachts nichts, und ein Windrad produziert bei Flaute nichts. Ein Industrieland braucht Strom aber nicht nur bei Wetterglück, sondern jederzeit: morgens, abends, im Winter, bei Nebel, bei Frost, bei Dunkelflaute, in Krankenhäusern, in Rechenzentren, in der Industrie, bei der Bahn, bei Wasserwerken und in jedem privaten Haushalt.
Deshalb muss Deutschland nun neue steuerbare Kraftwerke dazu bauen. Das ist der eigentliche Offenbarungseid. Jahrelang wurde erzählt, Wind und Sonne machten die alte Kraftwerkswelt überflüssig. Nun stellt sich heraus: Ohne eine zweite, steuerbare Kraftwerksarchitektur funktioniert das System nicht. Das Science Media Center berechnete für 2031, dass es im mittleren Szenario 277 Stunden im Jahr geben könnte, in denen zusätzliche Leistung fehlt. Bei hoher Last könnten dann bis zu 21,9 Gigawatt Reserveleistung nötig sein. Selbst wenn bis 2031 neue Gaskraftwerke mit 12 Gigawatt ans Netz gingen, bliebe in bestimmten Situationen noch eine Lücke von 10,9 Gigawatt.
Damit wird die Absurdität evident: Deutschland bezahlt zuerst den massiven Ausbau eines wetterabhängigen Stromsystems – und bezahlt anschließend noch einmal für ein steuerbares Notsystem, damit das erste System nicht kollabiert. Das ist eine völlig irre Doppelinfrastruktur. Man baut Windräder und Solaranlagen für die grüne Märchenerzählung und Gaskraftwerke für die physikalische Realität. Man bezahlt den Überschuss, wenn zu viel Strom da ist, und man bezahlt die Reserve, wenn zu wenig Strom da ist. Der Bürger zahlt also doppelt mehrfach: als Stromkunde, als Steuerzahler, als Mieter, als Unternehmer und als Arbeitnehmer.
Besonders bitter ist: Die neuen Gaskraftwerke sollen möglichst selten laufen, müssen aber trotzdem jederzeit bereitstehen. Auch ein Kraftwerk, das nur wenige Stunden im Jahr gebraucht wird, kostet Geld. Es braucht Planung, Genehmigung, Grundstücke, Netzanbindung, Personal, Wartung, Brennstoffverträge, Finanzierung und politische Garantien. Kein Investor baut solche Anlagen, wenn sie sich am normalen Markt nicht rechnen. Also muss der Staat nachhelfen. Und wenn der Staat nachhilft, zahlt am Ende wieder der Bürger – über Umlagen, Netzentgelte, Steuern oder Strompreise.
Die Bundesnetzagentur bestätigt diesen strukturellen Bedarf ausdrücklich. Nach ihrem Versorgungssicherheitsmonitoring ist die Stromversorgung bis 2035 nur gewährleistet, wenn zusätzliche steuerbare Kapazitäten aufgebaut werden: bis zu 22,4 Gigawatt im Zielszenario und bis zu 35,5 Gigawatt im Szenario einer verzögerten Energiewende. Zugleich stellt die Behörde klar, dass Flexibilität, Speicher und Netzausbau wichtiger werden, aber die notwendigen Kraftwerkskapazitäten nicht einfach ersetzen können (Bundesnetzagentur).
Damit ist die Kernthese der Energiewende widerlegt: Die neuen Erneuerbaren ersetzen die alten Kraftwerke nicht vollständig. Sie verdrängen sie teilweise in der Statistik, aber sie ersetzen nicht deren Systemfunktion. Kernkraftwerke, Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke lieferten nicht nur Energie, sondern planbare Leistung, Netzstabilität und Verfügbarkeit. Wer diese Kapazitäten abschaltet, verliert Stabilität, die anschließend teuer zurückgekauft werden muss.
Die deutsche Energiepolitik hat damit ein Haus gebaut, bei dem zuerst die tragende Wand entfernt wurde. Danach wunderte man sich, dass das Gebäude wackelt. Nun werden Stahlstützen bestellt – teuer, kompliziert und eilig. Genau so sehen die neuen Gaskraftwerke aus. Sie sind nicht der Beweis für das Gelingen der Energiewende, sondern der Beweis dafür, dass sie ohne fossile Rückversicherung nicht funktioniert.
Man kann es noch einfacher sagen: Bei Sonne produziert Deutschland zu viel Strom. Bei Dunkelflaute produziert Deutschland zu wenig Strom. Bei zu viel Strom fällt der Preis ins Negative, aber die Kosten verschwinden nicht. Bei zu wenig Strom braucht man Reservekraftwerke, aber auch die kosten Geld. In beiden Fällen zahlt nicht der Ideologe, der das System schönredet, sondern der normale Bürger, der seine Stromrechnung bekommt und sich fragt, warum angeblich billiger Ökostrom immer teurer wird.
Genau hier zeigt die AfD klare Kante: Die Energiewende ist nicht gescheitert, weil Sonne und Wind grundsätzlich wertlos wären. Sie scheitert, weil Politik aus wetterabhängiger Stromerzeugung auf der Basis eines quasi religiös-klimaapokalyptischen Glaubensbekenntnisses ein planwirtschaftliches Gesamtdogma gemacht hat: Statt Technologieoffenheit, Versorgungssicherheit und Preiswürdigkeit an die erste Stelle zu setzen, wurden Ausbauziele, Klimarettung und Subventionslogik absolut gesetzt. Das Ergebnis ist ein System, das bei Überfluss Geld vernichtet und bei Mangel neue Kraftwerke braucht.
Die einzig konsequente Schlussfolgerung lautet deshalb: Rückkehr zur Systemvernunft. Ein Stromsystem muss zuerst sicher sein, dann bezahlbar, dann sauberer werden. Wer diese Reihenfolge umdreht, bekommt genau das, was Deutschland jetzt erlebt: Rekordmeldungen ohne Nutzen, Überschuss ohne Wert, Mangel trotz Ausbau, steigende Kosten trotz angeblich billiger Erzeugung.
Der 1. Mai 2026 war deshalb kein Feiertag der Solarenergie, sondern ein Lehrstück über die Fehlkonstruktion der deutschen Energiewende. Ein System, das bei Sonne Strom entsorgen muss und bei Flaute Gaskraftwerke braucht, ist kein Zukunftsmodell. Es ist eine teure Doppelstruktur, geboren aus links-grüner Ideologie, bezahlt von Bürgern und Wirtschaft. Bisher will und kann nur die AfD dieses absurde Energiewendeprojekt stoppen.