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Kategorie: Medientheorie

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Zweimal Stammheim-Tatort: Medienkritische Beobachtungen zum Sonntagskrimi des Ersten 2015 bis 2026

Frank-Christian Hansel —
1. Zwei FilmeOktober 2017, Sonntagabend, das Erste.Der Südwestrundfunk (SWF) zeigt »Der rote Schatten«. Die Stuttgarter Kommissare finden eine tote Frau im Kofferraum und geraten an einen Mann, der vor vierzig Jahren als V-Mann in den höchsten Kreisen der RAF unterwegs war. Der Film führt zurück in die Nacht zum 18. Oktober 1977, in der Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim starben. Dominik Graf lässt die Frage, was in dieser Nacht geschah, offen. Er arbeitet die Schlamperei der Behörden auf und zeigt Kommissare, die einem unaufrichtigen Staat hilflos gegenüberstehen. Ein geschichtswissenschaftliches Fachorgan hielt danach fest, der Film habe zur besten Sendezeit diverse Verschwörungstheorien zur Todesnacht präsentiert. Ein Hauptdarsteller erklärte im Begleitinterview, die hysterische Ang…

Und wieder geht es um Ulrich Siegmund: Vom Gatekeeper zum Rohstofflieferanten - oder: Wie der Medienkampf seine eigene Gegenöffentlichkeit erzeugt

Frank-Christian Hansel —
In meinem Beitrag „Die AfD und ihre unfreiwilligen Wahlkampfhelfer. Zur medialen Aufmerksamkeitsökonomie“ habe ich beschrieben, wie sich das Verhältnis von Presse und Partei umgekehrt hat. Die Medien setzen weiterhin den Reiz – Skandal, Titelbild, Warnung, moralische Zuspitzung –, aber sie verfügen längst nicht mehr darüber, was anschließend mit diesem Reiz geschieht. Der Angegriffene übernimmt ihn, deutet ihn um und verwertet ihn über eigene Kanäle. Aus dem Objekt der Darstellung wird ein Produzent. Der Beitrag von Annika Leister bei t-online über Ulrich Siegmund und dessen Verhältnis zur Presse führt genau diesen Vorgang vor – gründlicher, als es dem Text lieb sein dürfte.Jahrzehntelang war die Ordnung der politischen Öffentlichkeit übersichtlich. Ein Politiker sagte etwas, ein Redakteur…