EXPO 2035 in Berlin – ein Projekt der Selbstbehauptung und Modernisierung

Frank-Christian Hansel

Die Diskussion um eine mögliche Weltausstellung EXPO 2035 in Berlin ist mehr als eine Debatte über Prestige oder Eventpolitik. Sie berührt eine grundsätzliche Frage: Will Berlin wieder gestalten – oder sich weiter mit der Verwaltung des Mangels begnügen?

Die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat diese Frage frühzeitig aufgegriffen und mit ihrem Antrag
„Berlin als Standort einer EXPO 2035 prüfen und vorbereiten“
(Drucksache 19/2889) eine klare, konstruktive Position formuliert.
👉 https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen//vorgang/d19-2889.pdf

Unser Ansatz ist bewusst positiv, realistisch und strategisch. Eine EXPO ist kein Selbstzweck. Richtig verstanden ist sie ein Instrument, um überfällige Investitionen, strukturelle Reformen und internationale Sichtbarkeit zu bündeln – und damit genau jene Dynamik zu erzeugen, die Berlin seit Jahren fehlt.

Eine EXPO ist kein Event – sie ist ein Modernisierungshebel

Berlin leidet nicht an mangelnden Visionen, sondern an mangelnder Umsetzung. Infrastruktur, Verwaltung, Genehmigungsprozesse, Verkehrssysteme – all das ist seit Jahren Gegenstand berechtigter Kritik. Genau hier liegt der eigentliche Mehrwert einer EXPO-Bewerbung:

Sie zwingt Politik und Verwaltung, langfristig zu planen, Zuständigkeiten zu klären, Verfahren zu beschleunigen und Projekte tatsächlich umzusetzen. Eine EXPO setzt Fristen, erzeugt internationalen Erwartungsdruck und macht staatliche Leistungsfähigkeit wieder messbar.

Unser Antrag fordert daher ausdrücklich keine vorschnelle Bewerbung „um jeden Preis“, sondern eine sachliche Prüfung, fundierte Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalysen sowie eine frühzeitige strategische Einbindung von Wirtschaft, Wissenschaft und Metropolregion. Das ist verantwortungsvolle Politik – nicht Symbolpolitik.

Wirtschaft, Innovation und internationale Sichtbarkeit

Eine Weltausstellung ist ein globales Schaufenster. Für Berlin bedeutet das:
– internationale Investorenkontakte,
– Impulse für Industrie, Technologie und Forschung,
– Stärkung des Messe-, Tourismus- und Dienstleistungsstandorts,
– nachhaltige Nutzung neuer Infrastruktur weit über das Jahr 2035 hinaus.

Gerade in Zeiten wachsender globaler Konkurrenz kann sich Berlin Nicht-Handeln weniger leisten als ambitionierte Projekte. Wer Weltstadt sein will, muss auch den Anspruch haben, Weltformate auszurichten.

Kein Widerspruch zu Olympia – sondern strategische Ergänzung

Die AfD stellt klar: Eine EXPO 2035 steht nicht im Widerspruch zu einer möglichen Olympiabewerbung. Im Gegenteil: Viele infrastrukturelle Anforderungen überschneiden sich. Wer beides klug denkt, kann Synergien nutzen, Doppelstrukturen vermeiden und Investitionen langfristig absichern.

Der reflexhafte Verweis auf angebliche Überforderung Berlins verkennt den Kern des Problems. Berlin scheitert nicht an zu großen Aufgaben, sondern an zu geringer Reformbereitschaft. Eine EXPO kann – richtig angegangen – Teil der Lösung sein.

Der internationale Kontext: Jetzt oder nie

Die aktuelle internationale Debatte, ausgelöst durch die Ankündigung von Donald Trump, die USA – konkret Miami – als EXPO-Standort 2035 zu positionieren, wirkt wie ein Weckruf. Der globale Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Investitionen und Innovationsführerschaft schläft nicht.

Berlin muss sich entscheiden, ob es Zuschauer bleibt – oder selbst Gestaltungsanspruch erhebt.

Fazit: Verantwortung statt Resignation

Die AfD unterstützt die Idee einer EXPO 2035 in Berlin, weil sie an Leistungsfähigkeit, Gestaltungswillen und Zukunftsfähigkeit glaubt – nicht an bloße Symbolik. Unser Antrag steht für einen nüchternen, professionellen und zugleich ambitionierten Ansatz: prüfen, vorbereiten, strategisch entscheiden.

Eine EXPO 2035 kann ein Hebel für Erneuerung sein – wenn Politik den Mut hat, Verantwortung zu übernehmen. Genau dazu leisten wir unseren Beitrag, gerne auch in Regierungsverantwortung in den kommenden Jahren. Dann wird das auch was!