Kipppunkt erreicht: Das Mullah-Regime muss gehen – Freiheit für Persien jetzt; Update Mai 2026

Frank-Christian Hansel

Es gibt Momente in der Geschichte, in denen Analyse in Verantwortung umschlägt. In denen Abwarten nicht mehr Nüchternheit ist, sondern Beihilfe. Der Iran hat einen solchen Moment erreicht. Der Kipppunkt ist überschritten.

Ein Regime, das sich ausschließlich noch durch nackte Gewalt an der Macht hält, regiert nicht mehr. Es exekutiert. Es organisiert keine Ordnung mehr, sondern verlängert sein eigenes Ende. Wer in dieser Lage noch von „Stabilität“, „Zurückhaltung“ oder „inneriranischen Prozessen“ spricht, verteidigt nicht den Frieden – er verteidigt die Gewalt.

Die Islamische Republik existiert heute nur noch als Repressionsapparat. Ihre ökonomische Steuerungsfähigkeit ist erodiert, ihre politische Legitimation aufgebraucht, ihre ideologische Bindekraft zerstört. Was bleibt, ist das Gewaltmonopol – eingesetzt gegen die eigene Bevölkerung.

Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von finaler Schwäche. Die Geschichte zeigt uns: Systeme, die nur noch (um sich)schlagen können, haben den inneren Zusammenhalt bereits verloren. Sie können sich noch eine Zeit lang halten, aber sie können nicht mehr integrieren, überzeugen oder befrieden. Der Kipppunkt liegt nicht dort, wo ein Regime fällt – sondern dort, wo es nur noch mit Gewalt existiert.

„Persien“ steht für eine Zivilisation, die älter ist als die islamistische Machtübernahme von 1979. Für Kultur, Geschichte, Nation – jenseits der klerikalen Staatsdoktrin. Das ist kein nostalgischer Reflex, sondern ein bewusster politischer Akt: Das Danach wird benannt, bevor das Heute endet. Wer den Namen setzt, setzt den Horizont. Und dieser Horizont ist postislamistisch, säkular und national.

Die internationale Politik – auch Europa – muss erkennen, dass dieses Regime politisch erledigt ist, oder sie klammert sich weiter an die Illusion von gesellschaftlicher (Un)Ordnung durch Unterdrückung.

Halbe Sanktionen, diplomatische Floskeln und das Hoffen auf „Reformkräfte“ innerhalb eines Gewaltapparats sind keine verantwortliche Politik mehr. Sie sind Ausdruck strategischer Feigheit. Wer jetzt noch Neutralität simuliert, entscheidet sich faktisch für den Status quo – und damit gegen die iranische Gesellschaft, also das persische Volk.

Natürlich ist der Weg nach dem Regime mit Unsicherheiten verbunden. Aber die Alternative heißt nicht Stabilität, sondern Dauerkrise, regionale Eskalation und permanente Repression. Ein System, das nur noch mit Gewalt existiert, produziert zwangsläufig Chaos – nach innen wie nach außen. Freiheit ist hier nicht das Risiko. Sie ist die einzige realistische Ordnungsperspektive. Dies ist keine Prognose. Es ist eine normative Setzung.

Der Kipppunkt ist erreicht, weil das Regime seine Legitimität verloren hat – nicht weil sein Sturz terminiert wäre. Geschichte kennt keine Fahrpläne, aber sie kennt Schwellen. Diese Schwelle ist überschritten.

Update, 6. Mai 2026: Von der Mullah-Herrschaft zur Macht der Revolutionsgarden

Die Entwicklung der vergangenen Wochen bestätigt die Grundthese dieses Beitrags auf dramatische Weise: Die Islamische Republik ist nicht stabiler geworden, sondern hat ihre innere Machtstruktur weiter militarisiert. Was lange als „Mullah-Regime“ beschrieben wurde, erscheint nun immer deutlicher als ein Herrschaftskomplex, in dem die religiöse Spitze zwar noch die ideologische Legitimation liefert, die operative Macht aber zunehmend bei den Revolutionsgarden liegt.

Das ist kein Widerspruch zur Forderung nach einem Regimewechsel, sondern ihre Verschärfung. Denn es geht nicht um den Austausch einzelner Geistlicher, nicht um eine innerislamistische Reform, nicht um eine vermeintlich moderate Verwaltung des bestehenden Systems. Es geht um die Überwindung des gesamten klerikal-militärischen Machtapparats, der die iranische Gesellschaft seit 1979 als Geisel hält.

Die jüngste Eskalation am Persischen Golf zeigt, dass der zivile Präsident Masoud Pezeshkian offenbar nicht mehr der Herr des politischen und militärischen Eskalationsmechanismus ist. Iran International berichtet, Pezeshkian habe Angriffe der Revolutionsgarden auf die Vereinigten Arabischen Emirate als „völlig unverantwortlich“ kritisiert und davor gewarnt, dass eine solche Eskalation irreversible Folgen haben könne. Reuters meldete parallel einen Brand in der Fujairah Oil Industry Zone nach einem mutmaßlich aus dem Iran gestarteten Drohnenangriff. AP berichtete zudem von US-Militäroperationen zur Sicherung der Straße von Hormus, bei denen iranische Boote neutralisiert worden seien.

Damit zeigt sich: Die Islamische Republik ist nicht einfach führungslos. Sie ist gefährlicher geworden, weil ihre Macht vom theologischen Zentrum in ein militärisches Überlebenskartell wandert. Die Mullahs liefern noch die sakrale Fassade; die Revolutionsgarden organisieren die reale Gewalt. Parlament, Sicherheitsrat, Außenministerium und religiöse Führung erscheinen zunehmend als verschiedene Oberflächen eines Systems, dessen eigentlicher Kern die Pasdaran sind.

Besonders deutlich wird dies an der Rolle von Mohammad Bagher Ghalibaf. Der Parlamentspräsident ist kein gewöhnlicher Politiker, sondern eine Scharnierfigur zwischen ziviler Fassade und militärischer Macht. Er stammt selbst aus den Reihen der Revolutionsgarden und wird inzwischen von mehreren Beobachtern als möglicher starker Mann des Systems beschrieben. Auch deutsche Berichte verweisen darauf, dass Ghalibaf bei Gesprächen mit den USA eine zentrale Rolle spielte und zugleich von Hardlinern überwacht wird, die einen zu weitgehenden Deal mit Washington verhindern wollen.

Gerade deshalb wäre es falsch, die aktuelle Lage als bloßen Zerfall zu interpretieren. Der Zerfall der alten klerikalen Autorität bedeutet nicht automatisch Freiheit. Er kann zunächst in eine noch härtere Militärherrschaft umschlagen. Der postklerikale Iran der Revolutionsgarden wäre nicht die Lösung, sondern die letzte, brutalere Gestalt desselben Systems.

Das Regimewechsel-Desiderat muss deshalb präzisiert werden: Nicht nur die Mullahs müssen gehen. Auch der Machtapparat der Revolutionsgarden muss politisch, ökonomisch und institutionell entmachtet werden. Ein wirklicher Neuanfang für Persien kann nicht aus den Kasernen der Pasdaran kommen. Er kann nur aus der iranischen Gesellschaft selbst kommen — aus jener zivilisatorischen, nationalen und freiheitlichen Kraft, die älter ist als die Islamische Republik und stärker sein muss als ihr Gewaltapparat.

Die aktuelle Lage bestätigt daher den Satz, mit dem dieser Beitrag endet: Dieses Regime ist nicht reformierbar. Es ist nicht stabilisierbar. Es ist nicht durch diplomatische Kosmetik zu retten. Es muss gehen — nicht nur in seiner religiösen Fassade, sondern in seiner gesamten klerikal-militärischen Struktur.

Das Mullah-Regime muss gehen.
Nicht morgen, nicht irgendwann – sondern jetzt.

Freiheit für Persien. Jetzt.