Die Finanzen der Berliner AfD 2013-2020 – Bilanz (m)eines Aufbauwerks

2013/2014:  Ein Rumpfjahr mit Überschuss

Der AfD Landesverband Berlin wurde am 27. April 2013 gegründet. Mit einem Beitragsvolumen in Höhe von 112.271 € (durchschnittlicher Mitgliedsbeitrag von ca. 12,40 € pro Monat pro Mitglied) und mit Spenden in Höhe von rund 65.000 € flossen dem Landesverband zum Jahresende 2013 Einnahmen i. H. v. insgesamt 172.635 € zu. Für politische Arbeit wurden 58.630 € ausgegeben, darunter für den legendären Programmkonvent im historischen Hörsaal des Langenbeck-Virchow-Hauses der Charité, den 280 Parteimitglieder besucht hattten. Für den unmittelbar nach Parteigründung zu organisierenden Bundestagswahlkampf 2013 wurden 73.663 € aufgewendet, darunter die A1 und A0-Plakate, die Flyer, die Großplakate von ,,Begeisternder Wahlkampf”, die Wahlkampfveranstaltungen mit Joachim Starbatty und Bernd Lucke. lm Ergebnis schloss der AfD LV Berlin in seinem ersten Rumpfjahr mit einem Überschuss i. H. v. 12.455 € ab.

In den erfolgreichen Europawahlkampf 2014 hat der AfD LV Berlin – analog wie im Bundestagswahlkampf 2013 – ca. 70.000 € in Flyer, Plakate und Großplakate sowie Veranstaltungen investiert. In der Landesschatzmeisterkonferenz 2014, an der ich als Landesschatzmeister und als Bundesgeschäftsführer teilgenommen habe, hat die AfD beschlossen, einen revolvierenden Wahlkampfsonderfonds der Landesverbände ins Leben zu rufen, aus dem wahlkampfführende Landesverbände Wahlkampfkostenzuschüsse erhalten, die sie dann aus der sich aus eigenem Stimmenanteil in Landtagswahlen ergebenden staatl. Teilfinanzierung zurückführen können.

2014/2015: Finanzautonomie der Bezirke früh im Blick

Eine Neuerung und einen deutlichen Schritt in Richtung Finanzautonomie der Bezirke habe ich im Spätherbst 2015 mit der Eröffnung von 12 Bezirkskonten eingeführt, die die Bezirke zur Einwerbung eigener Spenden nutzen konnten.  Die Praxis, den Bezirken Tagesgeld-Onlinekonten für Spendeneinnahmen einzurichten, die Aufwendungen aber weiterhin zentral über das Landesverbandskonto zu tätigen, wurde auf der 2. Bezirksschatzmeisterkonferenz am 29. Oktober 2015 einvernehmlich bestätigt. Die Bezirksschatzmeister wuerden so in der Aufbauphase von den strengen Buchungsrichtlinien der Bundespartei und der Pflicht, für den Buchungskreis der Bezirke jeweils 12 gesonderte Rechenschaftsberichte zu erstellen, massiv entlastet.

Tatsächlich hat der ständige und häufige Wechsel von Bezirksschatzmeistern in den ersten sechs Jahren bestätigt, dass auf dieser Ebene zunächst kaum eine Kontinuität einer funktionierenden bezirklichen Finanzverfassung gewährleistet war. Im Bezirksverband Charlottenburg gab es beispielsweise in den Jahren 2018 bis 2020 allein 5 sich abwechselnde Bezirksschatzmeister. Dies ist allerdings keine Berliner Besonderheit. Auch in den anderen Landesverbänden gab es auf Kreisebene vielfach kaum Kontinuität bei der Schatzmeisterei auf kommunaler Ebene. Umso wichtiger erwies sich die personelle Kontinuität auf Landesebene.

2015/2016/2017: Wahlkämpfe erfolgreich finanziert

Ein kompakter Blick auf die Einnahmesystematik: Die Einnahmen von Parteien gemäß Parteiengesetz teilen sich auf in Mitgliedsbeiträge, in staatliche Teilfinanzierung und Zuwendungen (Spenden) sowie, mit deutlich zunehmender Relevanz: Mandatsträgerbeiträge.

Die Ausgabenseite für die Jahre 2015, 2016 und 2017 unterschieden sich maßgeblich durch die Wahlkämpfe zum Abgeordnetenhaus 2016 und zum Deutschen Bundestag 2017.

Bei den Lohn-bzw. Personalkosten gab es ab 2016 und 2017 Steigerungen, da wir im Rahmen der Neubesetzung der Landesgeschäftsstelle nicht mehr mit überwiegend ehrenamtlich tätigen Kräften ausgekommen konnten. Die Professionalisierung der Landesgeschäftsstelle hat sich ab 2018 auch kostenmäßig niedergeschlagen. Denn um dem Sog der Bundestagsfraktion und der dort vorhandenen lukrativen Beschäftigungsoptionen standhalten zu können, mussten richtige Gehälter gezahlt werden.  Die Personalausgaben beliefen sich auf folgende Werte: 2015 (9.561 €), 2016 (17.183 €), 2017 (49.492 €).

Für politische Arbeit wurden vom Landesverband 2015  62.775 € und 2016 137.166 € ausgegeben. Hier schlugen insbesondere die Veranstaltungen wie Landesthemenabende, Landesstammtische und Parteitage zu Buche.

Abgeordnetenhauswahlkampf 2016

Der erfolgreiche AGH-Wahlkampf schlug mit insgesamt 507.908 € zu Buche, davon 463.144 € auf Seiten des Landesverbandes und 44.764 € bei den Bezirken. Das entspricht einer Versiebenfachung der Wahlkampfmittel von 2013 (Bundestag) und 2014 (Wahl zum EU-Parlament). Die erforderliche Erhöhung der Wahlkampfmittel konnte nur durch zwei Wege realisiert werden, die beide genutzt wurden:

a) Ein Zuschuss mit Teildarlehen bei den Gemeinschaftsmitteln des Konvents i.H. v. 250.000 €, davon als ein in vier Jahresraten zurückzuzahlendes Darlehen i.H. v. 166.666 €. Die letzte Rate davon wurde zum Jahresende 2020 an den Bundesverband zurückgezahlt, so dass hier keine Verbindlichkeiten mehr vorliegen.

b) Über die Einbeziehung von liquide vorhandenen, aber nicht genutzten Mittel der Bezirksverbände. Hier hatte ich im Wesentlichen mit den Bezirksschatzmeistern der Bezirke Reinickendorf, Spandau, Pankow und Charlottenburg-Wilmersdorf vereinbart, freie liquide Mittel auf ihren Onlinekonten  dem Landesverband zur Verfügung zu stellen, die im Rahmen der Refinanzierung durch die staatliche Teilfinanzierung 2017 zurückzuzahlen waren. Die Rückführung dieser Mittel an die Bezirke erfolgte vollständig im Rahmen ihrer Überführung in die finanzielle Bezirksautonomie.

2016 ergab sich durch den Landtagswahlkampf ein Gesamt-Landesverbandsdefizit 2016 in Höhe von -140.525 € (ggü. positivem Ergebnis von 114.755 € 2015). Diese Defizitfinanzierung konnte ich guten Gewissens verantworten, weil die liquiden Mittel aufgrund des Konsolidierungskreises der vereinbarten Bezirksmittel zu jeder Zeit positiv waren. Darum blieb auch das Reinvermögen des Gesamtlandesverbands 2016 mit 62.338 € positiv.

Auf dem 4. Landesparteitag im Januar 2016 hatte ich am Ende meines Rechenschaftsberichts erklärt, also vor der Abgeordnetenhauswahl erklärt:

„Mit einem Wort: Am Geld wird es nicht scheitern! Dafür hat der Landesvorstand vorgesorgt. Und zum Schluss: Es wird gar nichts scheitern! Wir werden am 18. September 2016 als klarer Überraschungssieger in alle BVV und mit einem großartigen Ergebnis in das Abgeordnetenhaus von Berlin einziehen.“ Nach den Wahlen konnte ich sagen: Ich habe Wort gehalten und das Versprechen, das auf strategischer Finanzmittelplanung beruhte, eingelöst.

Bundestagswahlkampf 2017

2017 wurden 348.426 € für den Wahlkampf ausgegeben. Da der Bundesverband 2017 den Löwenanteil der Wahlkampfausgaben i. H. v. insgesamt rund 3 Mio. € übernommen hatte, konnte der Beitrag des Berliner LV um rund 160.000 € niedriger ausfallen als 2016 in unserem eigenen Wahlkampf zum Berliner Abgeordnetenhaus.

Dies ermöglichte es, die aus dem AGH-Wahlkampf herrührenden Verbindlichkeiten des Landesverbands ggü. dem Bundesverband und den Wahlkampfdarlehen des Konvents fristgerecht zurückzuführen, also 60.000 € im Februar 2017 für einen vollständig rückzuzahlenden Zuschuss des Bundesverbandes und 41.666 € als erste von 4 Raten der Konventsmittel zum Jahresende 2017.

Auf dem 7. Landesparteitag lagen die bestätigten Rechenschaftsberichte für die Jahre 2016 und 2017 vor und wurden durch den 7. Landesparteitag bestätigt. Dem Landesvorstand wurde entsprechend der Empfehlung der gewählten Rechnungsprüfer wie in den Vorjahren Entlastung erteilt.

Die Rechenschaftsberichte für 2018 und 2019 lagen ebenfalls fristgerecht für den Landesverband vor. Die Rechenschaftsberichte gemäß Parteiengesetz sind jeweils die konsolidierte Fassung der Buchhaltung in Form einer Einnahmen- und Ausgaben- sowie Vermögensrechnung und werden von einem Wirtschaftsprüfer gemäß Parteiengesetz geprüft. Sie sind Bestandteil des Rechenschaftsberichts der Gesamtpartei, die dem Bundestagspräsidenten vorgelegt und dann auch öffentlich einsehbar veröffentlicht werden. Die Rechnungsprüfung durch die vom letzten Landesparteitag gewählten Rechnungsprüfer für 2018 ergab keine Beanstandungen in Verbindung mit einer Entlastungempfehlung.

2018/2019: Spenden ohne Skandal und strategischer Finanzaufbau für Wahljahre 2019 und 2021

In Wahljahren ist das Spendenaufkommen deutlich höher. Spenden gingen und gehen mit mir als Landesschatzmeister in Berlin auch ganz ohne Spendenskandal!

Für politische Arbeit wurden 2018  129.338 € und 2019  89.744 € ausgegeben. Hier schlugen 2018 insbesondere die Veranstaltungen wie Landesthemenabende, Landesstammtische und Parteitage zu Buche.

Wahlkampf zum EU-Parlament 2019

Zur Erinnerung: Der erfolgreiche AGH-Wahlkampf 2016 schlug mit insgesamt 507.908 € zu Buche. Für den Bundestagswahlkampf 2017 wurden 348.426 € für den Wahlkampf ausgegeben. 2018 war dann ein Jahr ohne Wahlkampf, so dass es hier darum ging, Reserven für das Wahlkampfjahr 2019 aufzubauen. Dies war auch dringend erforderlich, denn dieser EU-Wahlkampf hat Finanzmittel in Höhe von 194.411 € verbraucht, etwa 70.000 € mehr, als das ursprünglich dafür vorgesehene und vom Landesvorstand nach Konsultation mit dem Landesrat beschlossene Wahlkampfbudget.

Da der Berliner Wahlkampf zum EU-Parlament fast ausschließlich zentral über den Landesverband finanziert wurde, konnte Einvernehmen mit den Bezirken und im Landesrat darüber hergestellt werden, dass die Zuweisung an die Bezirke 2019 auf 5.000 € beschränkt blieben. 2020 wurde der volle Betrag gemäß der 2017 beschlossenen Finanzordnung in Höhe von 8.000 € an die Bezirke überwiesen.

Während sich die Gesamtausgaben 2018 auf 487.590 € beliefen, waren es durch den Wahlkampf 2019 deutlich höhere 684.184 €, was für 2018 zu einem Überschuss i. H. v. 260.819 € führte, allerdings im EU-Wahlkampfjahr 2019 zu einem Defizit i. H. v. – 77.793,69 €, bei dem ich alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, ohne unnötige Risiken eingegangen zu sein. Die Liquidität war zu jeder Zeit sichergestellt. Die Einnahmen 2020 erlaubten eine vollumfänglich abgesicherte Refinanzierung und den Aufbau hoher Reserven für den Wahlkampf 2021. Der aktuelle Kontostand beträgt zum Januar 2021 290.000 € und liegt damit um 90.000 € über dem Einstiegswert des AGH-Wahlkampfjahrs 2016.

Seit 2019 haben, wie ich es im Rahmen meiner Wiederwahl auf dem 7. Landesparteitag versprochen habe, alle Bezirksverbände die volle Finanzautonomie.

Mit jedem einzelnen Bezirk wurde der jeweilige Saldo des virtuellen Bezirkskontos mit dem Landesverband einvernehmlich abgerechnet und die Tagesgeld-Onlinekonten 1 zu 1 an die Bezirke ausgekehrt, so dass alle Bezirke finanziell vollständig auf eigenen Beinen stehen.

2020: Deutlich durch höhere Mandatsträgerabgabe

Eine deutliche Erhöhung der Mandatsträgerabgaben ab 2020 resultiert aus dem konsequenten Beschluss der Abgeordnetenhausfraktion, ihre Beiträge zur Finanzierung der Partei proportional zur Erhöhung der Diäten zum Stichtag 1.1.2020, die das Abgeordnetenhaus gegen unsere AfD-Stimmen beschlossen hat, umzusetzen.

2017 habe ich auf dem 7. Parteitag am Ende meines Rechenschaftsberichts erklärt:

„Ich habe erneut Wort gehalten und würde mich freuen, wenn ich das Aufbauwerk der materiellen Basis für unseren AfD-Landesverband 2018 und 2019 abschließen kann, allerdings unter den Bedingungen einer geänderten Ablauforganisation unter stärkerer Einbeziehung unserer Landesgeschäftsstelle.“

Und heute kann ich wie folgt Bilanz ziehen:

Das seit Gründung 2013 als heute dienstältester Landeschatzmeister aller Gliederungen in der AfD von mir verantwortete Aufbauwerk der Finanzen des Berliner Landesverbandes erfolgte ohne Skandale jedweder Art – auch ohne Spendenskandal!  Die Herausforderung, alle bisherigen fünf Wahlkämpfe erfolgreich finanziell abgesichert zu haben, war für mich eine freudige Pflichterfüllung: Bundestagswahl 2013, Europawahl 2014, Abgeordnetenhauswahl 2016, Bundestagswahl 2017 und Europawahl 2019.  

Der Landesschatzmeister ist ein sehr zeitaufwendiges, täglich forderndes Ehrenamt und neben dem des Vorsitzenden vielleicht das mit der größten strategischen, aber auch operativen und vor allem materiellen Verantwortung. Die Finanzen der Berliner AfD sind kontinuierlich gewachsen und – entgegen haltloser Lügenmärchen einiger weniger „Parteifreunde“ innerhalb der AfD –  solide gebaut und für das Wahljahr 2021 gut gerüstet. Auch wenn es mich durchaus reizen würde, gerade in diesem so wichtigen Superwahljahr noch einmal für das Gelingen des Doppel-Wahlkampfs auch in finanzieller Hinsicht wieder Verantwortung zu übernehmen und dafür das Vertrauen der Berliner Mitglieder zu bekommen, so kann ich dieses mein Aufbauwerk der Finanzen der Berliner AfD in diesen 8 Jahren auch als abgeschlossen ansehen.

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