Warum #Höcke der #AfD (ge)schadet (hat):

Heute erreicht mich folgende Kündigungs-Mail eines verdienten Berliner Mitglieds, dessen Namen ich nicht nennen werde, weil ich es gebeten habe, noch einmal eine Nacht drüber zu schlafen…

Ich lese diese, unten folgende Mail als veritablen Brandbrief an die Partei insgesamt und mache sie daher, ohne sie mir allerdings inhaltlich zueigen zu machen, partei- und damit insgesamt öffentlich; sage dazu aber ganz klar:

NEIN, die Partei ist NICHT da, wo das verunsichert-verstörte Mitglied sie (schon) sieht, sondern ich sehe es so: Wir in der AfD haben verstanden, dass die Wahrnehmung der Partei – teils von innen, teils von außen – leider tatsächlich so wahrgenommen wird, was sich in den schlechten Umfragewerten ja auch sehr deutlich widerspiegelt.

Dennoch: Ich sage NEIN, die Partei des politischen Realismus aus der Mitte der Gesellschaft alias AfD ist nicht die Partei dieser Leute, die es zwar als laute Minderheit am Rande irgendwo auch gibt, die aber die Partei in keiner Weise relevant ausmachen und ihren richtigen und guten KERN nicht berühren (können).

Das Zentrum der AfD steht fest zusammen – gegen die in der Mail angesprochenen Tendenzen der Grenzüberschreitungen. Allerdings, und darum auch die Veröffentlichung dieser Brandmail, die alle wachrütteln soll, gilt es jetzt:

Die Zeit des Wegduckens und Wegschauens ist vorbei. Die Veranstwortungsethiker in unserer Partei müssen sich jetzt klar gegen die Gesinnungsethiker á la Höcke positionieren, die zu Unrecht und abwertend von den „Halben“, den angeblichen Karrieristen reden auf der einen, und den „Ganzen“, den angeblichen „Idealisten“ um den Säulenheiligen Björn auf der anderen, der nur scheinbar edlen und guten „AfD-gutmenschlichen“ Seite.

Die Realos in der Partei, die in der Mühe der parlamentarischen Ebene die dicken Bretter bohren UND eben genauso auch außerhalb des Parlaments in Bürgerforen die Menschen ansprechen und versuchen, sie für uns zu gewinnen, sie müssen sich gegen die scheinbar edel-idealistischen Gut-AfDler-Fundies positioneren, die im Ergebnis die Unwählbarkeit der AfD für die Menschen aus der (bürgerlichen) Mitte der Gesellschaft zur Folge haben: Und die Partei somit ins (sektiererische rechtswasauchimmer….) Nischendasein und ins Aus schießen.

Die leider zu leise vernünftige Mehrheit, auch Diejenigen der Funktionäre auf allen Ebenen, die noch auf die ein oder andere Stimme eben Jener hoffen, muss jetzt sagen: Leute, Ihr habt die Grenze überschritten, es reicht, wir wollen unser Land verändern, wir sind die dritte politische Kraft im Land, die zur zweiten und zur ersten werden kann, die Deutschland verändern kann und wird, und Ihr macht das (wider besseres Wissen und absichtlich?!) kaputt.

Hier nun die besagte Mail:

„…hiermit möchte ich die sofortige Kündigung meiner Parteimitgliedschaft bekannt geben, und bitte um eine entsprechende Bestätigung. Wie Herr Pazderski vor wenigen Tagen in einer Email richtig behauptete, war das Image der AfD in einem katastrophalen Zustand und dürfte sich in den letzten Tage noch einmal zusätzlich verschlechtert haben. Meine Erfahrung ist, dass man die AfD selbst in konservativen Kreisen kaum noch vernünftig vermitteln kann, und ihr allenfalls noch eine Rolle als übles Abstrafungsobjekt für Merkel und Konsorten zugesteht.

Den berühmten Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, war der von Höcke unternommene Versuch einer Rehabilitierung Adolf Hitlers, dessen absolut negative Wertschätzung für ihn „ein großes Problem“ sei, wobei man bei solchen Gestalten auch die Guten und liebenswürdigen Seiten berücksichtigen sollte.

Mit Höcke habe ich ja schon länger abgeschlossen, aber das solche Sprüche, nicht nur bei weiten Teilen der Basis auf Zustimmung stoßen, sondern selbst von BuVo-Mitgliedern verteidigt, oder im besten Falle schulterzuckend zur Kenntnis genommen werden, hat mich dann doch schockiert. Die eigenwilligen Erklärungen Gaulands wirken absolut lächerlich, angesichts der Tatsache, das Höcke im selben Stil auch schon einmal NPD-Mitglieder vom Pauschalvorwurf des Rechtsradikalismus freisprechen wollte und seine wahre Gesinung mittlerweile wirklich bekannt sein müßte.

Es macht zudem den Anschein, das der BuVo Björn Höcke auch gerne in der Partei behalten will und das Verfahren nur zur Wählerberuhigung betreibt, denn alle Rechtsexperten sagen einen Freispruch voraus. Weshalb benutzt man das durch seinen Neonazisdemobesuch und das Hitlerinterview samt jeweiliger Lügen, nicht für ein zweites Ausschlußverfahren, da inhaltlich hier die viel größeren Erfolgschancen bestehen?

Es erfüllt mich mit Entsetzen, mir eingestehen zu müssen, das ich einer Partei angehöre, die sich anscheinend damit abgefunden hat, einen „völkisch-nationalsozialistischen“ Flügel zu beherbergen, wie es etwas durch die ebenfalls folgenlose Wortwahls Poggenburgs von den „Wucherungen am Volkskörper“, der Wiedereinführung des von den Nazis überstrapazierten Begriffs der „Volksgemeinschaft“, oder auch durch die Akzeptanz von erklärten Antisemiten wie dem Abgeordneten Stefan Räpple ausdrückt, der sich weigert sich mit seiner Fraktion gegen Antisemitismus zu positionieren. Von der Führung höre ich statt einem klaren Machtwort, jetzt jedoch plötzlich ständig Appelle zur Solidarität und Eintracht mit solchen Leuten.

Mich hat es zudem schwer getroffen, feststellen zu müssen, das die „Protokolle der Weisen von Zion“ bis hinauf zu Kreisvorsitzenden offensiv verteidigt wurden. Oder das eine (zwar nicht anerkannte) Parteigliederung wie die Freiheit-Partiotische Alternative, regelmäßige Vernetzungstreffen mit NPD-Kadern und Thügida-Aktivisten durchführt, deren Chef Tommy Francks einen riesengroßes „Aryan“-Tattoo sichtbar auf dem Hals trägt, und die Partei derartiges nicht unterbindet, sondern nur auf den Verzicht von Parteiabzeichen etc. Wert legt.

Für mich deutet sich angesichts all dieser Umstände immer klarer ab, dass der „Point of no return“ bereits überschritten wurde, nach welchem es im Grunde kaum noch möglich ist, gemäßigte Neumitglieder für die Partei zu werben. Mittlerweile habe ich auch jegliche Hoffnung, auf eine Selbstreinigung der Partei verloren, da bis zu Hampel, Meuthen, Bystron und selbst Weidel immer stärkere Rücksichtnahmen auf den Höckeflügel zu bemerken sind, statt gegen diesen vorzugehen. Der einzige noch sinnvolle Weg zu einer seriösen Wahlalternative bestünde ich einer Abspaltung, die jedoch mit jedem weiteren Tag des wartens, bzw. der Kollaboration mit Rechtsextremisten in der eigenen Partei ein weiteres Stück ihrer Glaubwürdigkeit verliert. Dafür werde ich jedoch nicht mehr gebraucht, denn die Macht des Handelns liegt hier eindeutig bei den Fraktionen und der Parteiprominenz, welche durch ihre Öffentlichkeitswirkung die Dinge in der Hand halten.

Ich wünsche den vernünftigen Kräften in der Partei, das sie Kraft hierzu möglichst bald finden und wäre dann wie Tausende weiterer politisch verzweifelter Menschen auch bereit mich wieder finanziell und personell einzubringen.

Mit freundlichen Grüßen
xxx xxx“

Aus dieser Mail spricht Verzweiflung eines, der wie die meisten von uns 2013 angetreten ist, mit dem dann später basisdemokratisch entwickelten großartigen Programm die verschiedenen Merkelschen Rettungswahns zu stoppen: Den Eurorettungswahn, den Klimarettungswahn und den Flüchtlinsgrettungswahn und stattdessen eine Politik für ein zukunftsfähiges Gemeinwesen in und für Deutschland in einem freien Europa – wider die Landnahmebestrebungen des Islam(ismu)s – geschichts- und wirkungsmächtig werden zu lassen.

Und jetzt nochmals zurück zum Titel: Warum #Höcke der #AfD (ge)schadet (hat):

Weil er es zugelassen hat, daß man medial das aus ihm machte, was er – ob zu Recht oder Unrecht spielt hier keine Rolle! – wurde:

Eine Chiffre, die für das steht, was von Übel ist, was gar nicht geht, was jenseits von Gut und Böse ist. Björn Höcke ist Opfer seines medialen Erfolges geworden; denn es geht gar nicht mehr um ihn als Person, als konkreter Mensch. Er ist Chiffre geworden, ein Abstraktum: Das schlechthin Schlechte. Nochmal: Es spielt keine Rolle, dass er das als Person und Mensch, den wir auch als Person schätzen können, natürlich gar nicht ist. Aber er hat durch seine Art des Wirkens zugelassen, dass er zur Chiffre, zum Abstractum gemacht werden konnte und als genau das, nicht als Person Bjön Höcke, schadet er der AfD, ihren Mitgliedern, denen gesagt wird, ja Du, Du bist ja ok, aber dieser Höcke – wieder aufpassen: Nicht Höcke als Person, sondern Höcke als Chiffre für das schlechthin Schlechte, für das er abstrakt steht – dieser Höcke geht ja gar nicht. Und der schadet uns, weil er die von der Politik der Altparteien Enttäuschten, die sich nicht trauen, sich zu uns bekennen, weil da einer ist, der medial für etwas steht und mit der AfD in Verbindung gebracht wird, was gar nicht geht, weil dadurch diese bei uns politisch eigentlich Heimat-Suchenden abgeschreckt werden, zu uns zu kommen und/oder uns auch zu wählen.
Und das ist das Tragische daran: Weil Björn Höcke Opfer seines medialen Erfolges wurde, wird er zur tatsächlich tragischen Figur:

Denn mit ihm – nicht der Person Björn Höcke, die parteienrechtlich wohl nur sehr schwer, wenn überhaupt, ausgeschlossen werden kann, sondern mit dem zum abstrakt Schlechten, Unberührbaren Rechtsaußen geronnenen Chiffre Höcke – kann die AfD nicht (erfolgreich) weiter machen, denn sie kontaminiert die Partei als unwählbar. Das ist wahre Tragik und ein unendliches Dilemma, das zu beschreiben ich zwar in der Lage, es zu Lösen ich aber nicht mächtig bin.

Das kann nur derjenige, der sich seiner abstrakten Entpersonalisierung als Chiffre entledigen, und sich seiner eigenen Person wieder Herr werden muss, Björn Höcke selbst. Und das darf er nicht auf Kosten des Projekts, mit dem auch er Deutschland mit zu retten angetreten ist, genauso wie derjenige, der das angesichts der erreichten Situation meint, nicht mehr zu können.

Ich hoffe auf Morgen. Wenn Jener drüber geschlafen hat und dann sagt: Du hattest Recht: Die AfD ist (noch) nicht verloren – im Gegenteil: Jetzt geht es erst richtig los! Vielleicht mit der repersonalisiert-geläuterten Person Björn Höcke – aber sicher ohne zur Chiffre geronnenen Höcke!

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Richtige und sinnvolle Veröffentlichung! Gute Argumentation. Ich schließe mich dem voll an. Berlin ohne die Chiffre Hoecke . Jawohl, es ist ein politisches Drama mit ihm, und diese Tragödie muss nun zuende geführt werden, wie alle Tragödien durch Katharsis (um theatertheoretisch zu sprechen). Dem BuVo als „Chorführer“ kommt da eine besondere Verantwortung zu.
    Rainer Vangermain, BV Pankow

  2. Eine neue Partei zu synchronisieren ist immer eine schwierige Sache. Man muss Geduld, Fingerspitzengefühl und Verständnis haben. Nicht alle als Irrläufer angesehene Mitglieder sind verdammenswert; oftmals sind sie die wirklichen Stützen, auf die sich die gesamte Partei verlassen kann. Da muss die Führung Erfahrung und Menschenkenntnis haben, nicht einfach ‚Ausschluss‘ oder volle ‚Zustimmung‘. Und nicht dem Negativtreiber der Gegner in die Hand spielen!

Kommentar verfassen

Zur Werkzeugleiste springen