Der zentrale Kern der AfD, sein Rand und der Abgrund. Rekonstruierte Grußadresse zum Gründungs- und Deutschlandtreffen der „Alternativen Mitte“ zum Tag der Deutschen Einheit

Nein, in Berlin gibt es bislang keine organisierte „Alternative Mitte“ (AM) und auch – noch!- keinen organisierten „Flügel“. Ich halte das das auch für richtig so, denn in Berlin haben wir es bisher geschafft, einen Kurs des politischen Realismus aus der Mitte der Gesellschaft zu fahren – im Landesverband und in der Abgeordnetenhaus-Fraktion.

Unabhängig davon habe ich mich entschieden, ins direkt an Thüringen angrenzende bayerische Tettau zu fahren, um dem Deutschland- und Gründungstreffen der AM beizuwohnen – einer weiteren Weichenstellung, nicht Zäsur, in der Geschichte der AfD.

Beatrix von Storch hat zu Beginn eine ausgezeichnete Impulsrede gehalten, die den Rahmen, in dem sich das Vorhaben der AM bewegen dürfte, absteckt.

In meiner spontanen Grußadresse an die etwa 250 Gründungsmitglieder der AM habe ich versucht, einen zusätzlichen Gedanken mit in die Diskussion einzubringen:

„Hinsichtlich der Selbstdefinition der Alternativen Mitte bin ich mir allerdings nicht sicher, ob sie sich tatsächlich als Gegenpol zum „Flügel“ verstehen soll, und nicht vielmehr begreifen sollte als der zentrale Kern der AfD, wie gesagt, im Auftritt, der Programmatik und im Stil, als der starke zentrale Kern der Alternative für Deutschland an sich, und der „Flügel“ lediglich als Rand verstanden werden muss.

Es macht den Unterschied, ob es zwei Pole gibt, die miteinander konkurrieren, oder einen Kern mit seinem Rand. Und dieser Rand, und das war und ist Gaulands Aufgabe, kann und soll ja auch integriert werden. Aber wo es Rand gibt, gibt es auch Abgrund. Und das ist die Linie, die Beatrix von Storch schon nannte, die jenseits des Rands liegt, als und im Abgrund. Und ich sage es ganz deutlich: Einiges von dem, was ein Tillschneider so redet, ist Abgrund und eben nicht mehr AfD.

Wir dürfen nicht mehr hinnehmen, dass, wie so oft geschehen, die Medien Versatzstücke des Abgrunds als AfD verkaufen und damit die gesamte Partei treffen, nicht als Kollateralschaden, sondern bewusst mitten ins Herz.  Da ist es doch kein Wunder, dass etwa 80% der Bürger, der Wähler, die AfD als rechtsextrem einschätzen, somit als nicht wählbar, weil für sie – von den Medien bewusst gesteuert – nicht mehr unterscheidbar ist, was Kern ist, über den – wie unsere Programmatik – meist nicht berichtet wird,  was Rand ist, über den meistens geredet und geschrieben wird, und was Abgrund, der immer skandalisiert wird, die AfD also solche meinend, wenn er sich auftut!“

Die (rekonstruierte) Grußadresse liegt hier vor. Medial wurde das unterschiedlich verkürzt wiedergegeben in der WELT , in ZEIT-online und in der Jungen Freiheit.

Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang hat in seiner Rede zum Gründungsaufruf der Alternative Mitte Deutschland einen Passus gebracht, der anders ausdrückt, was als zentraler Kern gemeint ist: Dass die AM nämlich keine „eigenen“ Inhalte hat, sondern programmatisch die AfD daselbst ist. Er sagte:

„Vor kurzem hat eine Person vorwurfsvoll geschrieben: „Die AM hat keine eigenen Inhalte.“An dieser Aussage ist zunächst erstaunlich, dass sie als Vorwurf gemeint war. In unserern Ohren klingt sie jedoch wie ein Lob. Denn natürlich hat die AM keine eigenen Inhalte, wir stehen schließlich mitten in der AfD, mit beiden Füßen! Welche eigenen, welche anderen Inhalte sollten wir also haben und wo sollten die herkommen? Nein, politisch und programmatisch orientieren wir uns zu 100 % an dem, was in den vergangenen Jahren in und von der AfD erarbeitet wurde, an den Programmen und Leitlinien der Partei. Und die Frage sei erlaubt: An was denn auch sonst?

Der zitierten Person („Die AM hat keine eigenen Inhalte“) tritt man sicher nicht zu nahe, wenn man sie nahe oder auch im Flügel verortet. Demnach könnte man zur Schlussfolgerung gelangen, der Flügel habe im Gegensatz zur AM durchaus „eigene Inhalte“. Dann würde natürlich sofort die Frage aufgeworfen: Was sind diese Inhalte, und wo kommen sie her? Und wenn es denn wirklich eigene Inhalte gibt, wo will man mit diesen und mit der AfD denn schließlich hin? Darüber wird zu reden sein. Diese Punkte müssen geklärt werden….“

Genau das ist der Punkt. Die zu klärende Frage ist doch: Unterscheidet sich das, was ich, übrigens gar nicht abwertend, als „Sozial-Patriotische Heimatfront“ bezeichne, wie sie Flügelvertreter Hans-Thomas Tillschneider artikuliert – unabhängig von Stilfragen – programmatisch vom Grundsatz- und Wahlprogramm der AfD graduell oder in Nuancen bzw. verschiebt sich das programmatische Gefüge. Und darüber hinaus: Ist das dann noch Rand, oder eben schon Abgrund, also jenseits der AfD.

Hierüber wird eine gesonderte Debatte zu führen sein, der ich mich gerne stelle!

 

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